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Da erzählt man sich so nebenbei, es würde in der Familie einen Scharfrichter geben. So weit, so gut. Man denkt nicht weiter darüber nach. Irgendwann identifizert man diese Person und forscht ein klein wenig weiter. Und siehe da, man hat nicht nur einen Scharfrichter in der Familie, nein wir haben eine ganze Dynastie! Bevor ich hier meine Daten aufzeige, soll der Begriff Scharfrichter einmal definiert werden. Und da bediene ich mich
ganz einfach bei Wikipedia, denn diese Beschreibung trifft ziemlich gut auf "meine" Scharfrichter zu.
Erklärung / Meine Ahnen
Der Scharfrichter (der mit der Schärfe des Schwertes richtende) vollstreckte vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert die Todesstrafe.
Ursprünglich wurde die Hinrichtung durch den Richter oder den Ankläger vollzogen. Ab dem 13. Jahrhundert trennte sich nach und nach die Rechtsprechung vom Vollzug. Da zu Beginn vielfach freigelassene bzw. begnadigte Schwerverbrecher zu der Ausübung des Amtes eines Scharfrichters gleichsam gezwungen wurden, hing von Anfang an diesem Beruf die Aura des Grauenvollen an, was natürlich die Art der Tätigkeit noch verstärkt wurde. Als Folge dessen wurde der Scharfrichter, auch Henker, Nachrichter oder Meister Hans genannt, allmählich von der Gesellschaft geächtet.
Später gehörte er zu den unehrlichen Berufen.
Zu den direkten Aufgaben des Scharfrichters gehörte die eigentliche Hinrichtung und die Folter zur Geständniserzwingung als Teil des Gerichtsverfahrens.
Daneben musste er auch oft weitere unangenehme und geächtete Aufgaben übernehmen: Kloakenreinigung, das (z.B.) Abschneiden und jedenfalls die Bestattung von Selbstmördern oder die Aufsicht über Frauenhäuser (Bordelle). Oft wurde das Amt des Henkers aus praktischen Gründen mit dem des Abdeckers (= Schinder, Racker, oder auch als Wasenmeister bezeichnet) zusammen gelegt: Die Tierkörperverwertung sorgte für das finanzielle Auskommen des Scharfrichters und die Abdecker-Gehilfen konnten bei einer Hinrichtung assistieren ("Henkersknechte").
Die Aufgaben des Scharfrichters gliedern sich für die Zeit des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit wie folgt:
Durchführung von Körper- und Ehrenstrafen
Anwendung der Folter
Hinrichtungen
Entsorgung der Hingerichteten und Selbstmörder
Wasenmeisterei / Abdeckerei
Scharfrichter überließen das Foltern, das Henken und (seit der Französischen Revolution) die Tötung durch die Guillotine oft auch ihren Gehilfen und übernahmen nur die Aufsicht. Die Enthauptung mit dem Schwert oder dem Henkersbeil wurde jedoch vom Scharfrichter selbst durchgeführt, da hierfür Geschick notwendig war: Der Kopf sollte nach Möglichkeit mit nur einem Schlag vom Rumpf getrennt werden. Gelang das nicht, konnte der Scharfrichter selbst zum Opfer von Lynchjustiz werden.
Den Söhnen von Scharfrichtern stand praktisch kein anderer Berufsweg offen, ihre Töchter konnten nur in diesen Kreisen heiraten und halb-verrufenen Tätigkeiten (Wahrsagen, Liebes- und Schadenzauber, magischen oder Naturheilverfahren) nachgehen. (Heinrich Heine ließ erfolgreich durchblicken, sein erstes Liebchen sei aus einer solchen Familie gekommen.) So bildeten sich Scharfrichterdynastien, die aufgrund des geschlossenen Heiratskreises vielfältige verwandtschaftliche Verflechtungen aufweisen; soziologisch: Sie wurden zu einer "Kaste", jedoch nicht in einer Kasten-, sondern in einer Ständegesellschaft. Es war bereits sehr schwer für sie, bei der christlichen Taufe Paten zu gewinnen.
Eine der bekanntesten war die der Sansons, die über vier Generationen die Henker von Paris und einigen anderen französischen Städten stellten.
Da die Scharfrichter aufgrund ihrer Tätigkeit gute medizinische, vor allem anatomische Kenntnisse hatten, nutzten dies viele, um sich durch chirurgische Tätigkeiten (z. B. das Einrenken von Schultern oder Knochenbrüchen) oder die Verabreichung von Heilmitteln aller Art (darunter nicht selten Salben aus Menschenfett) einen Nebenverdienst zu sichern. Dies mag auch der Grund sein, warum viele aus ehemaligen Scharfrichterdynastien Stammende seit dem 17. / 18. Jahrhundert, als im Zuge der Humanisierung des Strafvollzugs immer weniger Scharfrichter benötigt wurden, auf verwandte Berufszweige wie Bader, Wundarzt oder Pharmazie auswichen - dies wieder erklärt den ursprünglich großen sozialen Abstand von (hoch geachteten) "Ärzten" zu ('anrüchigen') "Chirurgen".
Der letzte Scharfrichter Deutschlands war Johann Reichhart (1893-1972). Während der Weimarer Republik und der Zeit des Dritten Reiches vollzog er etwas über 3000 Hinrichtungen mit der Guillotine, darunter auch die von Hans und Sophie Scholl, Mitgliedern der Widerstandsgruppe Weiße Rose. 156 verurteilte Nazigrößen henkte er nach 1945 im Auftrag der amerikanischen Militärregierung am Galgen.
In Ländern des 21. Jahrhunderts, die die Todesstrafe noch kennen, wie z.B. in den USA, haben sich die Berufsanforderungen des Henkers/Scharfrichters durch die Hinrichtungswerkzeuge geändert (Elektrischer Stuhl, Gaskammer); doch ist es nach wie vor dem Sozialprestige abträglich, diesem nach wie vor Grauen einflößenden Beruf nachzugehen.
Familie Koch
Daniel Koch *22.05.1714- nach 1758 in Rathenow/Gardelegen(?) (420)
Martin Koch *ca 1680-13.03.1736 in Güstrow/Rathenow(840)
Familie Fuchs
Johann Melchior Fuchs *04.04.1749-11.01.1810 in Jerichow (208)
Johann Melchior Fuchs *10.07.1701-? in Langenburg/? (416)
Melchior Fuchs *19.01.1655-18.07.1724 in Langenburg (832)
Andreas Fuchs * 13.03.1621-08.02.1696 in Langenburg (1664)
Michael Fuchs *Apr. 1595-03.01.1658 Langenburg (3328)
Georg Fuchs *ca 1560-? in Brachbach (6656)
Familie Winsel
Familie Speckhardt
Familie Schneller
Familie Gebhardt
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